LVR-Amt für Denkmalpflege
im Rheinland
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Krypta von Sankt Peter in Zülpich

Denkmalpflege im Rheinland

Dokumentation

Projekte

Hier informieren wir Sie in loser Folge über aktuelle Projekte der Abteilung Dokumentation des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.

Monschau, Evangelisches Gemeindehaus

Was heute als evangelisches Gemeindehaus genutzt wird, war früher eine Produktionsstätte für feine Tuche aus spanischer Merinowolle in Monschau an der Laufenstraße 2-4/Rurstraße 18. Hinter der klassizistischen Fassade verbirgt sich ein Gebäude, das sich im Laufe von mehreren Jahrhunderten immer wieder veränderte. Der Ursprungsbau kann durch dendrochronologische Untersuchungen bis auf das Jahr 1618/19 datiert werden und bauforscherische Untersuchungen lassen erkennen, dass es eine Produktionsstätte für das Tuchmacherhandwerk gewesen war, inklusive Färberei, Wollspüle mit Zugang zur Rur und großen Produktionsräumen.

Ist der Erbauer des Hauses noch unbekannt, so ist der erste nachweisbare Eigentümer einer der bekanntesten Tuchfabrikanten Monschaus und Bauherr des "Roten Hauses": Johann Heinrich Scheibler. Durch ihn wird in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts feines Tuch produziert, aber auch das Haus geteilt, zwei Wohneinheiten mit aufwändigen Rokokotreppen geschaffen und die Fassaden des Hauses modernisiert. Seitdem erfuhr das Gebäude prägende Um- und Anbauten, wie die klassizistischen Fassade im 19. Jahrhundert oder die Erweiterung mit einem Pavillon in den 1950er Jahren.

Heute stellt sich die Frage nach einer geeigneten Nutzung des Gebäudes, das bis vor kurzem noch nicht mit der Tuchmachertradition Monschaus in Verbindung gebracht wurde. Die Abteilung Dokumentation des LVR- Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) begleitet dieses Vorhaben zum einen mit der Erforschung des Gebäudes in seiner Bau- und Nutzungsgeschichte und zum anderen werden durch verformungsgenaue Vermessungen Grundlagen für die Vorbereitung von Maßnahmen und die weitere Nutzung zur Verfügung gestellt.

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Hamminkeln-Dingden, Wohnstallhaus und Eckhaus

"Komma Gucken!" – mit diesen zwei Worten fordert der Verein Dorfentwicklung Dingden Betrachter*innen dazu auf, sich die beiden Gebäude an der Weberstraße 17/19 in Dingden näher anzusehen. Auf den ersten Blick nicht leicht erkenntlich steckt im sogenannten Lehrerhaus noch ein ehemals giebelständiges niederdeutsches Hallenhaus aus dem 17. Jahrhundert. 1797 wurde es von dem Lehrer Josef Köster durch ein traufständiges Wohnstallhaus zu einem T-Haus erweitert. Noch heute ist die Ausstattung sowie die Struktur des Wohnstallhauses vorhanden und nur wenige und klar ablesbare Spuren jüngerer Nutzung sind dazugekommen: So befinden sich zum Beispiel neben den bauzeitlichen Objekten wie Kamin und Treppe noch Spuren des 20. Jahrhunderts wie Transmissionsräder für die nicht mehr vorhandene Waschmaschine.

Der Verein hat sich es sich zur Aufgabe gemacht, das Wohnstallhaus, aber auch das angrenzende Eckhaus zu einem baukulturellen Zentrum für die Region auszubauen. Das denkmalgeschützte Wohnstallhaus soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und seine Besonderheiten und Geschichte(n) vermittelt werden.

Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland begleitet das Vorhaben in vielen unterschiedlichen Bereichen. Das Ziel von Bauforschung, Dokumentation, Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie Restaurierung ist es, dem Verein für die Neu- und Umnutzung denkmalfachliche und planungsrelevante Grundlagen zur Verfügung zu stellen, deren Ergebnisse auch für die Vermittlung des Objektes genutzt werden können.

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Deutschordens-Kommende Siersdorf

Die Kommende in Siersdorf gilt als eine der ältesten Niederlassungen des Deutschen Ritterordens zwischen Rhein und Maas. Der bereits 1219 durch eine Schenkung der Jülicher Grafen an den Orden übertragene Hof änderte in seiner bis 1805 fortdauernden Nutzungsgeschichte seine bauliche Form und Ausstattung mehrmals. Auf den Grundmauern des 1542/43 zerstörten Vorgängerbaus entstand ab 1578 ein prächtiges Herrenhaus im Renaissancestil, das in der Folgezeit barockisiert und durch den letzten Krieg in Teilen zerstört wurde.

Das stark vom Verfall in Mitleidenschaft genommene Gebäude wird seit 2013 als "national wertvolles Kulturdenkmal" vom Eigentümer, dem Förderverein Kommende Siersdorf e.V., mit Fördermitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen substanziell gesichert. Unterstützt werden die Maßnahmen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der NRW-Stiftung Natur–Heimat–Kultur.

Die Abteilung Dokumentation des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) begleitet das Vorhaben von Beginn an mit dem Ziel einer gezielten Vorbereitung der Maßnahmen sowie der Erforschung der Bau- und Nutzungsgeschichte des Herrenhauses. Die enge Zusammenarbeit des Fördervereins Kommende Siersdorf e.V. und des LVR-ADR dient dem Verständnis und der Erfahrbarkeit dieses bedeutenden Kulturdenkmals und bildet zugleich das Fundament für eine künftige denkmalverträgliche Nutzung des Herrenhauses der Kommende Siersdorf.

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Hellenthal: Verborgene Baugeschichte rettet "Haus Kremer"

Hinter der Fassade des Wohnhauses Kremer in Hellenthal verbirgt sich die alte Gerberei Mattheis, eine Lohgerberwerkstatt des 18. Jahrhunderts.

Das als "Haus Kremer" in die Denkmalliste eingetragene Baudenkmal stand nach jahrelangem Leerstand und Verfall kurz vor dem genehmigten Abriss. Als Auflage hierfür sollte eine Baudokumentation angefertigt werden. Der mit der Dokumentation vor Abbruch beauftragte Architekt aus Vlatten entdeckte dann im August 2013 hinter der mit Eternit-Platten verkleideten Fassade die gut erhaltene Fachwerkkonstruktion einer alten Lohgerberei.

Am 14. Januar 2014 stellten daraufhin Dr. Monika Herzog, zuständige Gebietsreferentin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege, und Dr. Kristin Dohmen, Sachgebietsleiterin Bauforschung der Abteilung Dokumentation des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, zusammen mit dem Architekten im Bauausschuss der Kommune Hellenthal die neuen Erkenntnisse der Bauforschung vor. Zur Veranschaulichung diente ein im Sachgebiet Vermessung der Abteilung Dokumentation entwickeltes 3D-Modell des Gebäudes, das einen eindrucksvollen Einblick in die Produktionsstätte gibt. Der Abriss konnte auf Basis der Untersuchungsergebnisse erfolgreich abgewendet werden.

Die Gerberei wurde inzwischen dendrochronologisch ins Jahr 1817 datiert. Damit ist sie eine der letzterbauten handwerklich produzierenden Gerberwerkstätten vor der Industrialisierung. Auch die "Preußische Uraufnahme" von 1836 bis 1850, ein Kartenwerk im Maßstab 1 : 25 000, verzeichnet die Gerberei am Ortsrand von Hellenthal.

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